Weniger Lesen, mehr Hören: Audible

Vor ein paar Jahren bekam ich zufällig mein erstes Hörbuch zum Geburtstag geschenkt. Audible sagte mir damals noch nichts und ich war sowieso ein typischer Musik-im-Auto-Hörer. Also habe ich mir „erzwungermaßen“ vorgenommen, ausnahmsweise mal keine Musik, sondern eben das Hörbuch zu hören. Es war „Herr aller Dinge“ von Andreas Eschbach, und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Dieser Funke hat direkt meine Liebe zu Hörbüchern entfacht. Danke daher nochmal an meine Schwägerin Christina!

Kaum zu Ende gehört, habe ich gesehen, dass Audible ein Abo anbietet. Für 9,95€ darf sich ein Hörbuch pro Monat aussuchen. Da die meisten Hörbücher regulär mehr kosten und man das Abo jederzeit kurzfristig kündigen kann, habe ich nicht lange gezögert. Seitdem habe ich dutzende Hörbücher im Abo erworben und gehört. Jetzt ist Autofahren oder Laufen für mich Hörbuch-Zeit. Es bietet sich einfach an, solche „Leerzeiten“ sinnvoll zu überbrücken. Andernfalls würde ich mir kaum die Zeit zum Lesen nehmen.

Warum schreibe ich das gerade jetzt? Einen Post über Hörbücher wollte ich sowieso machen. Aktuell (und nur für kurze Zeit) hat Audible ein tolles Angebot: 6 Monate zum monatlichen Preis von 4,95€. Das sind satte 50% Rabatt. Ich bin leider kein Neukunde, sonst würde ich direkt zuschlagen.

Wer sich noch unsicher ist: Man kann das Abo jederzeit kündigen oder pausieren. Viel Spaß mit eurem nächsten Hörbuch 🙂

Tipp 4: Bei akutem Stress hilft ein alter Briefumschlag

Ich bin sicher, du kennst das Gefühl: Jetzt gerade gerät (organisatorisch) in deiner Arbeitswelt alles aus dem Ruder. Mindestens ein Projekt ist in Schieflage geraten und droht, viele deiner anderen Projekte in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Zeit fühlt sich noch knapper an als sonst. Jede Minute, die nun vergeht, macht dich nervöser, weil mit ihr auch die Deadlines näher rücken. Wenn es das nächste Mal soweit ist, halte fünf Minuten inne, schnapp dir einen alten Briefumschlag und werde aktiv. Die Menge an schriftlicher Planung die er fassen kann, wird genau das richtige Maß haben um wieder auf Kurs zu kommen.

Möglicherweise bist du selbst gar nicht verantwortlich dafür, dass es plötzlich zeitlich brennt. Jetzt die Schuldfrage aufzubringen, und sich in einer missmutigen Opferrolle in den Stress zu stürzen, ist jedoch auch wenig hilfreich. Selbstverständlich solltest du über die Hintergründe des Stresses nachdenken und versuchen vorwärtsgerichtete Lektionen daraus zu ziehen. Dennoch: Jetzt gerade kommt es darauf, dass DU performst – und kein kopfloses Huhn bist.

Bei wenig Zeit: Nimm dir Zeit zur Planung

Zu wenig Planung ist die Ursache für die meisten Probleme rund um Produktivität. Mit deiner Next-Action-Liste (Link) hast du bereits ein gutes Bild von all dem, was zeitnah erledigt werden sollte. Gleichzeitig wird die Zeit nicht reichen, um kurzfristig alles darauf zu erledigen. Hier reichen unsere Gewohnheiten aus den Tipps 1-3 also noch nicht aus. Wir brauchen nun eine zusätzliche Form der Planung.

Ein Beispiel: Der Tag wird hektisch, als jemandem – z.B. deinem Chef oder dir* – brennend einfällt, dass heute ja ein Bericht fällig wäre. Die Präsentation für den Kundentermin morgen ist auch noch nicht fertig (wolltest du heute machen, bevor der Bericht dazwischen kam). Ach ja, und das Notebook, mit dem du präsentieren willst, ist auch noch nicht eingerichtet. Wo wir gerade dabei sind: Hast du schon die Reise morgen beantragt, geplant und die Schlüssel für den Dienstwagen abgeholt?

*) Selbstverständlich war es dein Chef. Denn du schreibst ja mittlerweile alles in die Inbox oder seltener auch direkt in den Kalender, so dass dir nichts mehr durchrutscht 🙂

Sortiert begegnen uns diese Punkte:

  • Bericht abschließen
  • Präsentation erstellen
  • Notebook einrichten
  • Reise planen

Dass die drei unteren Punkte zu einem gemeinsamen Punkt “Präsentation beim Kunden” gehören, tut dabei nichts zur Sache. Betrachte jeden dieser Punkte als ein Projekt. Hierbei sind wir mit dem Projektbegriff sehr großzügig. Im Wesentlichen ist alles, das aus mehr als einer Next Action besteht ein Projekt. Im Idealfall stand von jedem der vier Projekte bereits eine Next Action in deiner Next-Action-Liste.

Dennoch reicht das Finden einer Next-Action pro Projekt hier nicht aus und du benötigst mehr Planung um das Gefühl der Kontrolle wieder zu erlangen. Ich bevorzuge eine Tabellenstruktur. Die groben Unterpunkte unserer Projekte könnten die folgenden sein:

Die grobe Planung auf einem Briefumschlag oder einem alten Zettel

Sei präzise, fasse dich aber kurz

Warum ein alter Briefumschlag? Ganz einfach, er erfüllt zwei Dinge:

  1. Sein Platz ist knapp. Viel mehr als die obige Tabellenstruktur wird nicht draufpassen.
  2. Er ist alt und nur als Schmierzettel gedacht. Du wirst ihn am Ende des Tages (oder der Woche) mit gutem Gewissen wegwerfen.

Die Briefumschlagsplanung verschriftlicht alles, was sowieso in deinem Kopf rumspukt. Wie auch schon zuvor bei der Inbox, schweigen die rumspukenden Gedanken, sobald sie aufgeschrieben sind. Du kommst damit zuverlässig aus dem Kopfloses-Huhn-Zustand heraus. Für den Rest des Tages wird dieser Umschlag die einzige (Todo-)Liste sein, die dich noch interessiert. Streiche alle erledigten Aufgaben sofort durch und entscheide dann schnell, welche du als nächste angehst. Damit dieses häufige Überfliegen der Liste flüssig von statten geht, ist es sehr (sehr sehr) wichtig, dass alle Aufgaben ein Verb enthalten. Nur so musst du nicht jedesmal Substantiv-Brocken, die dir dein früheres Ich zugeworfen hat wieder zu einem Satz aufbauen. Diese beiden Aspekte findest du auch nochmals wunderbar zusammengefasst in einem Beitrag des offiziellen Todoist-Blogs (Punkte 1 und 2).

Es kann und wird jetzt immer noch vorkommen, dass du innerhalb der Deadline nicht mit allem fertig wirst. Dadurch, dass du das Gefühl hast, trotzdem alles unter einer gewissen Kontrolle zu haben, wird fast schon automatisch – auf souveräne Art und Weise – mehr erledigt.

Darf es auch etwas feiner sein?

Nun liegt der Gedanke nah, künftig alle Projekte direkt ausführlich zu planen und zu verschriftlichen. Meiner Erfahrung nach, ist das für die meisten Projekt zu viel des Guten. Der Inbegriff der detaillierten Projektplanung ist das Gantt-Diagramm. Dieser Blog-Beitrag bestätigt meine Erfahrungen, dass Gantt-Diagramme in dynamischen (/agilen) Umfeldern oft versagen. Sie sind dann den Pflegeaufwand nicht wert. 

Wenn es also keine Richtlinien gibt, die eine detaillierte Planung erfordert, und die alle Unvorhersehbarkeiten vorhersieht, dann plane grob aber sorgfältig. Das mag widersprüchlich klingen, ist aber plausibel. Mach dir ein grobes Bild von der Abfolge aus der Helikopter-Perspektive. Fliege in Gedanken den Weg zu deinem Ziel ab und notieren dir jeden wichtigen Zwischenschritt, ohne die Position jeder einzelnen Mülltonne zu kartografieren. Dazu wird die Fläche eines Briefumschlags immer ausreichen.

Wie gehst du deine Projekte aktuell an? Denkst du von Schritt zu Schritt oder hast du bereit von Beginn an einem ausführlichen Plan? Benutzt du (freiwillig) schwere Software-Geschütze, wie z.B. Microsoft Project?

Tipp 3: Unterscheide nur „Next Action“ und „Irgendwann“

Seit einigen Tagen hast du eine Inbox (Link) und stellst sicher, dass alle dir zufliegenden Aufgaben darin landen. Allein diese Verschriftlichung gibt dir das Gefühl der Kontrolle. Weiterhin terminierst du deine Aufgaben nicht mehr auf Verdacht (Link). Damit deine Inbox jeden Abend leer ist, müssen wir uns ein paar Techniken zum effektiven Umgang mit ihr ansehen. Dabei hilft dir als erstes Tipp 3: Unterscheide nur als „Als nächstes / Next Action“ und „Someday / Irgendwann“ bei deinen Aufgaben.

Schauen wir uns am Bürobeispiel an, wie man die beiden Kategorien aus der Inbox heraus unterscheidet und wie man anschließend mit ihnen weiterarbeitet.

So sah unsere Inbox nach 45 Minuten Arbeitstag aus

Wir knüpfen direkt um 8:45 Uhr an unserem Beispieltag an (Link). Zunächst kommen wir zurück zum Schreibtisch und würden gerne mit der ursprünglich für den Tag geplanten Arbeit beginnen. Ergänzend liegt nun die gefüllte Inbox da. Wenn das dein erster Tag mit einer Inbox ist, so schreibe bitte auch die eigentlich geplanten Aufgaben nochmals in die Inbox.

Hast du jetzt direkt einen Termin im Kalender? Dann nimm an ihm Teil und komme evtl. mit einer noch längeren Inbox zurück. Falls du keinen Termin im Kalender hast, hast du soeben einen mit dir selbst vereinbart: “Review meiner Inbox machen”.

Review-Schritt 1: Entscheide schnell, was “als nächstes” gemacht werden kann

Finde zuerst alle Elemente, die du theoretisch als nächstes machen könntest, wenn du jetzt gerade Zeit hättest und am richtigen Ort wärst. In der GTD-Community (Getting Things Done, sehr lesenswert!) sind das deine „Next Actions“. Das hier könnten die Next Actions unseres Beispiels sein:

Die Next Actions sind identifiziert und hervorgehoben

Neben einem kleinen Etikett „Next Action“ habe ich zusätzlich mit gelber Hervorhebung gearbeitet. Tatsächlich reicht aber eine Form der Darstellung (ich bevorzuge das Etikett). Schauen wir uns die Next Actions im Detail an:

  • Druckerpatronen kaufen: Wenn du jetzt Zeit hättest, könntest du ins Auto steigen und welche kaufen oder am PC online bestellen.
  • Die eine und die andere Sache, die du heute eigentlich machen solltest: Wären nicht die ganzen Ablenkungen gewesen, hättest du bereits daran gearbeitet. Wahrscheinlich an deinem Arbeits-PC.
  • Termin für Reifenwechsel vereinbaren: Du könntest jetzt sofort zum Telefon greifen und anrufen
  • … gleiches gilt für die Kinokarten.

Bei allen übrigen Aufgaben fühlen wir uns noch nicht in der Lage sie direkt zu erledigen, selbst wenn wir jetzt Zeit hätten. Wir werden sie uns in Schritt 3 genauer ansehen.

Schiebe die Next Actions möglichst schnell ins Archiv bzw. auf eine eigene Liste

Jetzt bist du dran: Identifiziere jetzt deine Next Actions. Archiviere die Next Actions dann direkt.

Falls du nicht mit Keep gearbeitet hast, sondern z.B. ein Textdokument oder eine Liste auf Papier geführt hast, ist es jetzt Zeit eine zweite Liste anzulegen. Nenne die Liste “Next Actions” und verschiebe die Einträge der Inbox in diese neue Liste.

Review-Schritt 2: Sortiere dann aus, was irgendwann mal fällig ist

Nun zur Irgendwann-Kategorie. In unserem Beispiel erschien alles einigermaßen dringend. Dir werden aber über Tag noch Gedanken der Form „Irgendwann werde/sollte/könnte ich …„. Schreibe die auch zunächst in die Inbox. Nehmen wir zusätzlich an, das Sophies Gefallen auch von dieser Form ist (z.B. “Kannst du mir irgendwann mal das neue Computerprogramm erklären?”):

Markiere, was irgendwann mal (oder auch nie) erledigt werden kann

Erneut habe ich hier mit Farbe und Etikett gearbeitet, während eine Art der Darstellung gereicht hätte (vorzugsweise das Etikett). 

Den Sprachkurs wollen wir auch nicht unbedingt jetzt schon machen, und das Tablet werden wir uns vielleicht zu Weihnachten wünschen. Also alles entsprechend markieren. Und jetzt: Ins Archiv damit (bzw. in eine neue, dritte Liste “Irgendwann”).

Review-Schritt 3: Finde die Next Actions der restlichen Aufgaben

Drei Aufgaben stehen jetzt noch in der Inbox:

  1. Susi einen Gefallen tun
  2. Achim dringend antworten (dafür aber erst Steffi fragen)
  3. Der E-Mail-Bitte von Bernd nachkommen

Wir fühlen uns nicht in der Lage diese Aufgaben direkt zu erledigen. Oft ist das tatsächlich nur ein Gefühl, hervorgerufen von einem inneren Widerstand. Der beste Weg diesen Widerstand aufzulösen ist weitere Planung.

Für Susis Gefallen müssen wir vielleicht auf einen anderen Kollegen warten, der heute nicht da ist, und für Bernds Bitte müssen wir noch Diagramme erstellen, für die wir überhaupt erst die Daten ermitteln müssten. Bei dieser Art von mehrstufigen Aufgaben ist die Verschriftlichung besonders wichtig. Ich empfehle dir das direkt unter die Aufgaben als Unteraufgaben zu notieren:

Wie du siehst habe ich die Aufgabe jetzt in den Titel der Notiz geschrieben und die Unteraufgaben in den eigentlichen Notizkörper. Dabei war ich möglichst präzise. Statt „Steffi fragen“ habe ich ausführlich „Steffi per Telefon nach ihrer Meinung fragen“ geschrieben. Präzise zu sein wird dir dein Zukunfts-Ich garantiert danken. Und zwar bei jedem Review deiner Listen.

In die ausformulierung hat sich noch ein Schlüsselwort eingeschlichen: “als nächstes”. Das ist bewusst geschehen. Sobald du diese Aufsplittung vorgenommen hast, kannst du typischerweise direkt wieder Next Actions vergeben: 

Eine letzte Aufgabe “Sophie einen gefallen tun” verbleibt in der Inbox. Hier gibt es keine Next Action, sondern wir müssen warten. Dazu ein in einem folgenden Beitrag mehr! Für den Moment soll ich diese verbleibende Aufgabe in der Inbox nicht stören.

Deine neuen Gewohnheiten

Wie geht es mit deinen drei Listen weiter?

  • Inbox: Du füllst sie weiterhin im Tagesverlauf sorgfältig, mit allem, was nicht vergessen werden soll. 
  • Mindestens einmal am Tag identifizierst du alle Next Actions und Irgewanns, du du dann direkt in die zugehörige Liste verschiebst.
  • Next Actions: Jedesmal, wenn eine Aufgabe erledigt ist, schaust du in diese Liste für die nächste Aufgabe (außer ein Termin steht im Kalender). In dieser Liste werden nur Dinge stehen, die du auch wirklich erledigen kannst (vergleiche Schritt 3 von oben) und die daher mit minimalen inneren Widerständen verknüpft ist. Damit bekommt diese Liste die meiste Aufmerksamkeit.
  • (Spätestens) gegen Ende des Arbeitstages: Was steht jetzt noch in der Inbox? Zerteile es schriftlich in Teilaufgaben und identifiziere die Next Actions
  • Irgendwann: Schaue dir diese Liste einmal pro Woche an. Für den Moment ist es dabei egal, ob du dich per (verbindlichem) Kalendereintrag daran erinnerst oder dir eine wöchentliche Aufgabe notierst “Irgendwann-Liste durchsehen”. 

Um in Google Keep auf die archivierten Next Actions zuzugreifen, kannst du übers Burger-Menu dein Label “NextAction” auswählen:

Mit zwei Klicks nach einem Label filtern
Alle Next Actions auf eine Blick

Das liefert dir eine gefilterte Ansicht für dein tägliches Review der Next Actions.

Gib mir Rückmeldung: Ist es dir gelungen die Inbox zu leeren oder gab es eine hartnäckige Aufgaben, die sich gegen die drei Schritte gewehrt haben? Schreib sie mir gerne ins Kommentarfeld und ich helfe dir dabei.

Welche Tools – außer Google Keep – möchtest du hier im Blog behandelt haben?

Tipp 2: Schreibe keine Aufgaben in den Kalender

Seit einigen Tagen hast du eine Inbox (Link) und stellst sicher, dass alle dir zufliegenden Aufgaben darin landen. Allein diese Verschriftlichung gibt dir das Gefühl der Kontrolle. Damit du dieses Gefühl nicht verlierst und deine Inbox jeden Abend leer ist, müssen wir uns ein paar Techniken zum effektiven Umgang mit Inboxen ansehen. Zuerst müssen wir aber dem Impuls widerstehen, Aufgaben in den Kalender zu schreiben:

Trenne deine Inbox/Todo-Liste sauber von deinem Kalender

Wer Aufgaben in den Kalender schreibt, steht auch gerne im Stau

Kennst du das, auf dem Weg zu einem Termin nervös auf zu Uhr zu blicken, ob du rechtzeitig ankommen wirst. Evtl. bist du zu spät losgefahren, oder übermäßig viel Verkehr hat deinen Puffer aufgefressen. Mindestens minütlich schaust du auf die Uhr, um hochzurechnen, ob du gerade weiteren Verzug auf- oder abbaust. Jede langsame Vorderfrau oder Vordermann, jede rote Ampel, jede Zugdurchfahrt am Bahnübergang und natürlich jeder Stau lassen die Wut in dir hochkochen. Du rufst beim Termin an, um deine Verspätung anzukündigen. Kein angenehmes Telefonat. Für den Moment ist damit das Schlimmste damit abgewendet, aber selbstverständlich verschieben sich alle folgenden Termin. Und zu denen musst du ja auch noch fahren. Eine Aufholjagd beginnt, bei der du nur verlieren kannst. Zeitlich und nervlich.

Was hat das mit dem Kalender zu tun?

Wer Aufgaben in den Kalender schreibt, plant/hofft diese an eben dem Tag zu erledigen. Wer eine Todo-Liste führt, interpretiert die häufig mit: “Was ich heute tun sollte”. Nun beginnt der typische Arbeitstag und das Unvermeidliche passiert:

  • Das langsame Fahrzeug vor dir entspricht der Kollegin, dem Kollegen, der dir nicht rechtzeitig eine Zuarbeit geliefert hat. Also nochmal nachfragen und auf baldige Antwort hoffen.
  • Die rote Ampel ist das klingelnde Telefon, die Anfrage von Kollegen auf dem Weg zum Kopierer. Also kurz aus den eigentlichen Gedanken und hoffentlich bald wieder zurück zu ihnen.
  • Der Stau wird vom Chef verursacht, der zu einer spontanen Besprechung ruft. Ende offen!

Die gleiche Aufholjagt wie unserer Auto-Analogie beginnt. Der Stress ist dabei genauso unvermeidlich. Wen rufst du jetzt an, um dich duckmäuserisch für die Verspätung zu entschuldigen? In den meisten Fällen dich selbst. Denn du hast den Termin mit dir selbst ausgemacht, als du z.B. in den Kalender geschrieben hast: “Um 14 Uhr die Präsentation für Achim vorbereiten” oder dir die Aufgabe (unterbewusst) für heute in der Todo-Liste vorgenommen hast.

Der Tag bräuchte halt einfach ein paar Stunden mehr! Ein bisschen Stau wäre doch dann nicht mehr schlimm, oder? Also einfach ausnahmsweise ein paar Überstunden machen!? Sicherlich würdest du dann auch mehr Aufgaben erledigt bekommen. Sicher ist leider auch, dass du damit das Gefühl der Überforderung nicht lösen würdest, denn:

Die Arbeit dehnt sich aus, bis sie die Zeit ausfüllt, die für ihre Ausführung zur Verfügung steht.

Cyril Northcote Parkinson

Der Versuch, deine ganze Todo-Liste in den Arbeitstag zu quetschen ist zum Scheitern verurteilt. Diesem Stress solltest du nicht aussetzen. Einziger Ausweg: Führe keine Todo-Liste, vor allem nicht im Kalender. Nur wenn du für deine ganzen Aufgaben kein festes Tagesziel eingeplant hast, gehst du souverän mit Unterbrechungen um.

Sei ein strenger Türsteher für deinen Kalender

Hier nochmal die Inbox nach unseren exemplarischen 45 Minuten:

45 Minuten hagelt es Aufgaben für die Inbox

Einiges erscheint sehr dringend, wie z.B. Achims Anfrage. Um 14 Uhr steht noch nichts im Kalender, da könnten wir das doch machen! Nein. Widerstehe dem Impuls, dir dafür gleich Zeit im Kalender einzutragen. Der einzige Eintrag, der zweifelsfrei in den Kalender darf ist “Abendessen einkaufen”. Du kannst es nicht jetzt sofort tun (da du gerade auf der Arbeit bist), sondern frühestens nach Feierabend. Später ergibt aber auch keinen Sinn, weil du sonst nach Hause zu deinem leeren Kühlschrank fährst. Diese Aufgabe darf sofort in den Kalender (vermutlich in deinen privaten) und fliegt raus aus der Inbox. Lasst uns annehmen, dass die restlichen Aufgaben in der Inbox vom Typ “lediglich dringen, aber nicht zwangsläufig heute” sind. Das bedeutet auch, dass keine harte Deadline damit verbunden ist, z.B. eine strenge Einreichungsfrist.

Ein harmloses Beispiel: Diese Zeilen habe ich im Autohaus geschrieben, während ich darauf gewartet habe, dass die Winterreifen aufgezogen wurden. Wieder in meinem Auto, hat mich das hier begrüßt:

Das kommt direkt in die Inbox oder besser direkt in den Kalender

Das ist der Prototyp für eine wichtige Aufgabe, die ich vergessen würde, hätte ich sie nicht aufgeschrieben. Jetzt direkt kann ich das nicht erledigen (weil ich ja erst 50 Kilometer fahren muss) und in einer Woche bin ich zu viel gefahren. Also kurz überschlagen: Übermorgen ist der einzig sinnvolle Tag das zu erledigen, und zwar wenn ich nach Feierabend in meiner Garage ankomme. Also ab in den Kalender damit.

Jetzt bist du dran. Lege dir jetzt deine Inbox (bzw. deine Todo-Liste) und deinen Kalender bereit und tue folgendes:

  1. Suche im Kalender nach (willkürlich) eingetragenen Aufgaben. Sind sie eigentlich gar nicht an dem Tag fällig? Hast du sie dort nur auf Verdacht eingetragen, damit ein Zeitslot für die Bearbeitung reserviert ist? Raus aus dem Kalender damit und rein in die Inbox
  2. Suche nach Einträgen in der Inbox, für die es nur ein kurzes Zeitfenster für die Bearbeitung gibt. “Dann und nur dann (oder gar nicht)”. Überprüfe nochmals kurz, ob du das wirklich machen willst und trage es dann in den Kalender ein.

Kurzum: Der Kalender zeigt nur die harte Terminlandschaft; sonst nichts.

Es ist völlig normal, dass du zu Beginn Schwierigkeiten mit dem Prozess haben wirst. Du wirst viele “ASAPs” als “sofort, spätestens aber noch heute” interpretieren. Ab und zu schleicht sich natürlich doch eine Aufgabe in den Kalender. Ganz verhindern lässt sich das nicht. Gute Tage wirst du künftig dann aber gerade daran erkennen, dass nur echte Termine im Kalender stehen.

Aber wann werden die Aufgaben denn jetzt endlich erledigt?

Die einfache Antwort: Wenn die Zeit und die Umstände dafür gekommen sind, und nicht einfach nur, weil es 14 Uhr ist, und du heute morgen gedacht hast, um 14 Uhr könnte dafür ja vielleicht Zeit sein. Bitte vertrau mir, dass unsere Kontext-Listen in einem der nächsten Beiträge das erledigen werden. Führe deine Inbox gewissenhaft weiter. Achte auf ihre Vollständigkeit und wirf mehrmals täglich einen Blick darauf. Im nächsten Beitrag halbieren wir sie gemeinsam.

Wie sieht dein Kalender bzw. deine Todo-List aktuell aus? Terminierst du viel auf Verdacht, ohne strenge Notwendigkeit? Falls ja: Schaffst du es bis Abends alles abgearbeitet zu haben? Wiederum falls ja: Was hat es dich gekostet? Teile deiner Freizeit, mehr Stress, usw.?