In diesem Beitrag fasse ich die wichtigsten Methoden zusammen, mit denen du Inhalte aus unterschiedlichen Quellen — von Online-Artikeln über physische Bücher und eBooks bis hin zu Podcasts und YouTube-Videos — systematisch erfasst und für dein Second Brain aufbereitest. Die Tipps basieren sind praktisch, einfach umzusetzen und genau richtig für alle, die zu viel markieren und zu wenig verarbeiten.
Kurzer Überblick: Das Prinzip hinter dem System
Das Grundprinzip ist simpel und wiederholt sich bei allen Quellen: Sammeln ⇒ Reduzieren ⇒ In eigene Worte überführen. Praktisch heißt das:
- Erste Runde: Alles markieren, was beim ersten Lesen/Anhören auffällt (z.B. gelber Textmarker).
- Zweite Runde: Aus den Markierungen die wirklich wichtigen Punkte herausfiltern (zweite Farbe oder Fettdruck).
- Dritte Runde: Aus diesen Highlights eigene Worte und Gedanken formen und oben notieren. Das ist der Content, den du später wiederverwenden willst.
1. Digitale Inhalte (Online-Artikel, Webclips)
Bei Online-Texten — z. B. Artikel, die du mit einem Webclipper in Evernote oder ähnliches speicherst — funktioniert das Mehrstufen-Highlighting am saubersten. Vorgehen:
- Beim ersten Lesen alles markieren, was relevant wirkt.
- Ein zweiter Durchgang reduziert die Markierungen auf die wichtigsten Aussagen (zweite Farbe oder Fettdruck).
- Schreibe die Essenz oben in eigenen Worten in eine Notiz deines Second Brains.
2. Physische Bücher: Die größte Herausforderung — und ein einfacher Trick
Physische Bücher sind am aufwendigsten, weil sie nicht digital sind. Hier empfehle ich eine sehr pragmatische Methode, die zwei Schritte kombiniert:
- Beim ersten Lesen mit Textmarker arbeiten (ja, man markiert oft zu viel).
- Eine ungenutzte Seite (z. B. Schmutztitel) herausreißen oder ein kleines Stück Papier verwenden und dort in eigenen Worten ein Inhaltsverzeichnis zu den wichtigsten markierten Stellen notieren.
Weil nicht alle Markierungen auf diesen kleinen Zettel passen, zwingt dich das, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren und eigene Formulierungen zu finden — genau das, was dein Second Brain wirklich braucht.
Dann scannst oder fotografierst du den Zettel und lädst das Bild/PDF ins Second Brain. Optional kannst du OCR-Funktionen (z. B. Evernote) nutzen, um Handschrift in Maschinentext zu verwandeln.
3. eBooks: Automatisierte Exporte nutzen
Bei eBooks ist vieles einfacher, weil Markierungen oft exportierbar sind:
- Google Play Books kopiert Markierungen z. B. automatisch in ein Google Doc — von dort kannst du die relevanten Stellen ins Second Brain übernehmen.
- Kindle erlaubt ebenfalls den Export von Markierungen, das ist aber manchmal fummelig. (Sascha verlinkt eine Anleitung in der Videobeschreibung.)
- Als Notlösung kannst du gelegentlich einzelne Passagen aus dem Kindle an deine eigene Mailadresse senden und von da manuell ins Second Brain übernehmen.
4. Podcasts & YouTube-Videos: Kurz, monothematisch — oder lang und gehaltvoll
Bei Audio- und Videoinhalten gibt es zwei typische Fälle:
- Kurz & monothematisch (1–3 Kernaussagen): Einfach eine neue Notiz im Second Brain anlegen, Link zur Quelle einfügen und die 2–3 wichtigsten Punkte in eigenen Worten notieren.
- Längere, gehaltvolle Videos/Podcasts: Oft sinnvoll, KI-Tools (z. B. Gemini) eine Zusammenfassung erstellen zu lassen, um alle Aspekte kurz zu sehen — aber Achtung:
Vorsicht bei KI-Zusammenfassungen
KI-Zusammenfassungen sind eine starke Abkürzung, liefern aber häufig generische Inhalte («Wikipedia-Stil»). Deshalb:
- Nimm die KI-Zusammenfassung als Ausgangsbasis, entferne die offensichtlichen Gemeinplätze.
- Arbeite die wirklich überraschenden oder persönlichen Erkenntnisse in eigenen Worten nach.
- Wenn du willst, kannst du auch ein vollständiges Transkript per KI generieren — aber in der Praxis ist das selten nötig.
Praktische Abläufe & Tools — kompakt
- Online-Artikel: Webclipper → 3‑Stufen-Highlighting → Notiz im Second Brain.
- Physische Bücher: Markieren → Mini-Inhaltsverzeichnis auf Zettel → Scan/OCR → Notiz.
- eBooks: Export-Funktionen (Google Play, Kindle) nutzen → Highlights in Notiz übernehmen.
- Podcasts/YouTube: Kurz → Link + eigene Highlights; Lang → KI-Zusammenfassung + Nachbearbeitung.
Warum nicht einfach alles eins zu eins speichern?
Ein komplettes eBook oder ein vollständiger Transkript-Text im Second Brain zu speichern, ist meist Overkill. Du sammelst dadurch viel Rauschen und verlierst die wirklich nützlichen, überraschenden Erkenntnisse. Besser: Kondensieren, selektieren, paraphrasieren.
Fazit
Dein Second Brain füllt sich am effektivsten, wenn du Inhalte mehrfach reduzierst und schließlich in deinen eigenen Worten abspeicherst. Egal ob digitaler Artikel, gedrucktes Buch, eBook oder Podcast — das Ziel bleibt dasselbe: Die überraschenden, nützlichen Informationen herausfiltern und so ablegen, dass du sie später tatsächlich wiederverwenden kannst.
Dieses Vorgehen ist simpel, kostet aber anfangs Disziplin. Probier es bei deinem nächsten Buch oder Podcast aus — und schreib in die Kommentare, welche Quelle dir am schwersten fällt. Danke an Sascha Feth für die praktischen Tipps und das kurze Video, das diese Anleitung inspiriert hat.
Fragen, Feedback, weiterdenken
Wenn du etwas nicht verstehst, eine besondere Quelle hast (z. B. wissenschaftliche PDFs, Audiobücher) oder mehr Vorlagen willst, schreib es in die Kommentare — ich (und sicher auch andere Leser) helfe gern weiter.